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Sonntag, 29. Januar 2012

Das Lebenstempo runterdimmen

Das Lebenstempo runterdimmen Der Jahreswechsel ist gerade vorüber, und mal wieder sind die Vorsätze schon dahin, es in diesem Jahr ruhiger anzugehen. Denn die Sender von Nachrichten wissen das Downshifting schon im Vorfeld zu kontern. von Axel Reimann

Es ist die immer gleiche Hoffnung, die einen verwirrt, wenn man nach Abschluss der Jahresendfeiern wieder im Alltag ankommt: Vielleicht wird dieses Jahr ja mal etwas ruhiger, entspannter. Das Gute ist: Die Verwirrung hält nicht lang an. Ein kurzer Blick in den E-Mail-Eingangsordner reicht. Manche behaupten dann tatsächlich, die moderne Informationstechnik sei schuld, dass wir so gehetzt sind. Das ist natürlich nicht ganz falsch, aber auch nur die halbe Wahrheit. Denn niemand zwingt uns, jeden iQuatsch oder Smartblödsinn um 22.56 Uhr anzuknipsen und Nachrichten wie diese zu lesen: "Hi, es tut mir so leid, aber ich kann morgen leider nicht zum Babysitten kommen, weil ..." Wir lesen das, und die Information ist da, sie zwingt uns zur schnellen multiplen Reaktion, zur inneren ("Dumme Nuss! Wie soll ich um diese Zeit noch Ersatz finden?") und zur äußeren ("Kein Problem. Gute Besserung!").

Informationelle Totalverweigerung wäre eine Möglichkeit, erfordert aber Disziplin und die Bereitschaft, die Katastrophe zu ertragen ("Wo bleibt der verdammte Babysitter?"). Besser ist die bewusste Verlangsamung der Kommunikationsmittel, wie sie zum Beispiel der Technologieberater Clay Johnson empfiehlt: Nix mehr Breitbandverbindungsterror oder superschnelles 4G-Mobilfunken - wir dimmen die hektische Infotechnik mit speziellen Filtern runter auf unser Lebenstempo. So bleiben wir angeschlossen an den Nachrichtenfluss, nur eben fließt er langsamer.

Es gibt da jedoch ein Problem: Die Sender der Nachrichten ahnen das mit der Verlangsamung. Und so rufen Babysitter um 22.57 Uhr an: "Hi, wollt nur sagen: Ich hab euch grad eine Mail geschrieben wegen morgen."

Quelle:
Financial Times Deutschland 04.01.2012

Donnerstag, 12. Januar 2012

Wer Schmetterlinge ..........

Wer Schmetterlinge lachen hört,
der weiß, wie Wolken schmecken,
der wird im Mondschein
ungestört von Furcht,
die Nacht entdecken.

Der wird zur Pflanze, wenn er will,
zum Tier, zum Narr, zum Weisen,
und kann in einer Stunde
durchs ganze Weltall reisen.

Er weiß, dass er nichts weiß,
wie alle andern auch nichts wissen,
nur weiß er was die anderen
und er noch lernen müssen.

Wer in sich fremde Ufer spürt,
und Mut hat sich zu recken,
der wird allmählich ungestört,
von Furcht sich selbst entdecken.

Abwärts zu den Gipfeln
seiner selbst blickt er hinauf,
den Kampf mit seiner Unterwelt,
nimmt er gelassen auf.

Wer Schmetterlinge lachen hört,
der weiß wie Wolken schmecken,
der wird im Mondschein,
ungestört von Furcht,
die Nacht entdecken.

Der mit sich selbst in Frieden lebt,
der wird genauso sterben,
und ist selbst dann lebendiger,
als alle seine Erben.


Dieser schöne poetische Text stammt nicht - wie von manchen angenommen - von dem Dichter Novalis (1772-1801), sondern aus dem Jahr 1977 und der Feder von Carlo Karges (1951-2002), der zu dieser Zeit Mitglied der deutschen Rockband NOVALIS war.

Dienstag, 13. Dezember 2011

DOWNSHIFTING - Einfaches Leben

Small is beautiful - so lautete der Titel eines Buches, das Ernst Friedrich Schumacher im Jahr 1973 veröffentlichte. Darin warnte der vor 100 Jahren geborene Ökonom vor der Schattenseite von Wachstum und Fortschritt und forderte von der Wirtschaft eine "Rückkehr zum menschlichen Maß" (so der Titel der deutschen Ausgabe). Schumachers Kritik am Credo des Kapitalismus "Je größer, desto besser" ist heute aktueller denn je. Doch trotz Banken- und Weltwirtschaftskrise setzen westliche Gesellschaften noch immer auf Wachstum - "weniger" ist für sie keine Option. Aber auch in der Vorstellung vieler Menschen ist "weniger" nur dann "sexy", wenn es darum geht, möglichst wenig Geld für ein Produkt auszugeben: Geiz ist geil! Ansonsten weckt "weniger" Assoziationen an Verzicht, an Mangel, an Einschränkung.

Doch mit Verzicht hat das Konzept des "Weniger ist mehr" nichts zu tun, wie der US-Psychologe und Bestsellerautor Peter Walsh betont. Weniger bedeutet vielmehr: weniger Dinge, die uns belasten, weniger Stress, weniger Sorgen, weniger Abhänigkeit, weniger Frustration. Dafür aber mehr Freiheit, zu tun, was wir wirklich wollen, mehr Einfachheit, mehr Entspannung. Walsh fordert zum Nachdenken auf: "Wie wäre Ihr Leben, wenn es nicht gefüllt wäre mit viel Müll und unnützen Gegenständen? Wie würde Ihre Wohnung aussehen, wenn nur halb so viele Dinge in ihr stünden? Wie wäre es wenn sie nur halb so viele Rechnungen bezahlen müssten?" Schon allein aus diesen simplen Fragen werde ersichtlich, dass weniger tatsächlich mehr bedeutet.

Doch wie ist dieses "Weniger" zu bewerkstelligen? Antworten drauf findet man bei der Bewegung, die sich das Downshifting, das Runterschalten zum Programm gemacht hat. Deren Anhänger wollen dem ungezügelten Kapitalismus mit all seinen psychischen und sozialen Kosten entkommen. "Downshifter ziehen die Notbremse", schreibt der Psychologe Werner Gross. "Sie versuchen sich wieder auf das Wesentliche im Leben zu konzentrieren. Sie wollen sich aus den Tretmühlen der Überflussgesellschaft befreien: ja, all den überflüssigen Plunder, der sich in Beruf, Wohnung, Körper, Geist und Seele angesammelt hat, endlich loswerden und herausfinden, was sie wirklich brauchen, was sie wirklich wollen, wie und womit sie ihre Zeit verbringen". Tracy Smith, eine Ikone der Downshifting-Bewegung in den USA und Großbritannien, fasst den Sinn und Zweck von Downshifting in einem Satz zusammen: "Denken Sie daran: Je mehr Geld Sie ausgeben, desto mehr Zeit müssen Sie aufbringen, um es zu verdienen, und desto weniger Zeit steht Ihnen zur Verfügung für die Menschen, die Sie lieben."

Quelle: Auszug aus dem Bericht in PSYCHOLOGIE HEUTE - Ausgabe Januar 2012

Donnerstag, 8. Dezember 2011

Liebe Magdalena Neuner,

Ihre Pressekonferenz zu Ihrem Rücktritt wird auch das hartgesottenste Herz eines Reporters nie vergessen. Mit Ihren 24 Jahren stellten Sie klar, was wichtig ist: LEBEN.

Mit dem Freund spazieren gehen, mit der Mutter Plätzchen backen, normal sein. Normal sein als Glück?

Sie sind zweifache Olympiasiegerin und zehnfache Weltmeisterin. Wir alle, die Fans, dachten, dass die Goldmedaillen Ihr großes Glück sind. Auf Ihrer Pressekonferenz sagten Sie, dass Sie nahe am Burn-out waren. Immer die Beste zu sein, immer zu siegen, immer der Druck.

Ich mag dieses Mädchen, das mit 24 Jahren sagt, ich höre auf. Sie hat einen tollen Charakter, ihre Ansichten sind großartig. Ich verstehe ihre Sehnsucht.

Mit einem Mann zu leben, mit ihm ein Haus zu bauen. Kinder zu haben. Ich verstehe ihre Sehnsucht, kein Star zu sein.

Herzlichst

Ihr Franz Josef Wagner

Quelle: BILD vom 08. Dezember 2011 - Kommentar - POST VON WAGNER

Mittwoch, 30. November 2011

von Johannes Gross

"Wer immer erreichbar ist, gehört zum Personal!"